Die Regenbogenparade ist eine wichtige jährliche Veranstaltung in Wien, die von einer großen Anzahl von Menschen aus der queeren Community besucht wird. Bei diesem Fest wird die Anerkennung und der Respekt für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Personen demonstriert, schreibt viennaski.eu.
Wie entstand die Parade?

Der Ursprung der LGBT-Bewegung liegt in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 in einer New Yorker Bar in der Christopher Street. Der Vorfall, der anfangs als unbedeutend galt, ging in die Geschichte ein und wurde als die Stonewall-Aufstände bekannt. Damals wehrten sich Menschen mit nicht-traditioneller sexueller Orientierung zum ersten Mal gegen die Polizeigewalt, die gegen sie ausgeübt wurde.
An diesem Abend fand eine Razzia in der New Yorker Schwulenbar „Stonewall Inn“ statt. Es wurde behauptet, dass in der Bar Alkohol ohne Lizenz verkauft wurde und völlige Gesetzlosigkeit herrschte. Die Behörden setzten gemeinsam mit der Polizei den Besitzer der Bar moralisch unter Druck und forderten ihn auf, das Schild zu entfernen und den Betrieb einzustellen. Dieser gab jedoch nicht auf, was letztendlich zur Verhaftung der Mitarbeiter und zur Schließung der Bar führte. Normalerweise löste sich die Menge nach solchen Razzien auf, aber in dieser Nacht geschah das nicht. Die Menschen begannen, aktiven Widerstand zu leisten: Sie griffen die Polizisten mit den Fäusten an und verbarrikadierten sich anschließend in der Bar. Schließlich wurde die Bar verwüstet, um eine Wiedereröffnung zu verhindern.
Am nächsten Tag versammelte sich eine Menschenmenge vor der geschlossenen Bar. Als Zeichen des Protests hielten Schwule und Lesben demonstrativ Händchen und küssten sich, wie nie zuvor. Auf diese Weise forderten sie Respekt für sich selbst und machten den Behörden klar, dass sie nicht zu besiegen sind.
In Wien fand die erste „Regenbogenparade“ zur Unterstützung von Menschen mit nicht-traditioneller sexueller Orientierung am 29. Juni 1996 statt. Organisator war das „Österreichische Lesben- und Schwulenforum“ (ÖLSF). Seitdem findet die Veranstaltung jährlich Ende Juni statt. Seit 2003 steht die Parade unter der Schirmherrschaft der HOSI (Homosexuelle Initiative Wien). Seit 2004 wird die Regenbogenparade offiziell von der Stadt Wien unterstützt.
Besonderheiten der Regenbogenparade

Diese farbenfrohe Veranstaltung ist einzigartig – eine riesige, sehr laute Gruppe von bunt gekleideten Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen versammelt sich im Herzen der Stadt. Begleitet von Musik ziehen sie über die Ringstraße, die wichtigste Ringstraße der Stadt, zum Heldenplatz – und das entgegen der üblichen Fahrtrichtung.
Der Sinn dieser Parade ist es, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Probleme zu lenken, mit denen die LGBTQIA+-Community konfrontiert ist: Gewalt und Verurteilung. Die Teilnehmer der Veranstaltung wollen zeigen, dass Menschen mit nicht-traditioneller sexueller Orientierung Respekt und Akzeptanz in der Gesellschaft verdienen.
Jährlich zieht die Regenbogenparade über 100.000 Menschen an. Im Jahr 2016 besuchten Bundeskanzler Christian Kern und der damalige Bürgermeister der Stadt, Michael Ludwig, die Parade.
Im Jahr 2022 wurden zu Ehren der Parade alle öffentlichen Verkehrsmittel in Wien mit thematischen Bildern und Schriftzügen geschmückt. Darüber hinaus kamen 250.000 Teilnehmer zur Veranstaltung. Als Zeichen der Unterstützung für die LGBTQIA+-Community nahmen auch der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Abgeordnete eine Videobotschaft auf. Im Jahr 2023 zog die Regenbogenparade 300.000 Teilnehmer an. Sie stand unter dem Motto „Together we rise“. Das Highlight der Parade war der „Pride Run“, der auf der Prater Hauptallee stattfand. Läufer und Rollstuhlfahrer bewältigten eine Strecke von 5-10 km.
Besonders hervorzuheben ist auch das Unterhaltungsprogramm der Regenbogenparade. Nach dem feierlichen Umzug unterhalten sich die Teilnehmer, tanzen, musizieren und nehmen aktiv an Wettbewerben teil, bei denen sie symbolische Preise gewinnen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Regenbogenparade nicht nur die Unabhängigkeit und Stärke von Menschen mit nicht-traditioneller sexueller Orientierung demonstriert, sondern auch verbindet und viele positive Emotionen schenkt. Die Veranstaltung steht allen offen, auch Jugendlichen und Kindern. Für die kleinen Gäste richten die Organisatoren spezielle Bereiche ein, in denen sie sich thematische Tattoos machen lassen, mit Seifenblasen spielen und Musik genießen können.