Conchita Wurst ist eine außergewöhnliche Erscheinung im österreichischen Showgeschäft. Diese Frau mit Bart hat das Publikum zugleich schockiert und verzaubert. Die provokante Künstlerin wollte der ganzen Welt beweisen, dass eine Persönlichkeit keinen gesellschaftlichen Stereotypen entsprechen und sich nicht der öffentlichen Meinung beugen muss, schreibt viennaski.eu.
Kindheit und Jugend
Conchita Wurst ist der Künstlername eines österreichischen Popsängers. Der bürgerliche Name der skandalumwitterten Diva ist Thomas Neuwirth. Er wurde am 6. November 1988 in der Kurstadt Gmunden, unweit von Wien, geboren. Seine gesamte Kindheit verbrachte der zukünftige Sänger in einem kleinen Dorf in der Steiermark, wo er auch die Schule abschloss.
Bereits im frühen Teenageralter probierte Thomas die Kleider seiner Mutter an und zeigte unkonventionelle Neigungen. Er identifizierte sich als Frau und hatte keine Angst, Gleichaltrigen von seinem Interesse an Männern zu erzählen. Dafür musste er einen hohen Preis bezahlen. Da die puritanische Gesellschaft Menschen wie Neuwirth schon immer voreingenommen gegenüberstand, hatte es der Junge nicht leicht. Er musste ständig negative Äußerungen über sich hören und ertrug Spott und Mobbing.
Schon damals traf der junge Mann eine wichtige Entscheidung: sein Leben dem Kampf für das Recht jedes Menschen auf Selbstbestimmung und für die Gleichstellung von Personen mit nicht-traditioneller sexueller Orientierung zu widmen.
Erste Schritte im Showgeschäft

Wahrscheinlich gelang es ihm, Anerkennung zu finden, weil er seine Orientierung nicht versteckte. Im Jahr 2006 nahm er an der dritten Staffel der Casting-Show „Starmania“ teil, wo junge Künstler eine gute Gelegenheit hatten, sich zu beweisen. Neuwirth belegte den zweiten Platz und musste sich nur Nadine Beiler geschlagen geben. Dieser überwältigende Erfolg im Wettbewerb wurde für Thomas zum Sprungbrett auf die große Bühne.
2007 gründete er die Pop-Rock-Band „Jetzt anders!“, die sich jedoch fast sofort nach dem ersten Auftritt wieder auflöste. Dieser Misserfolg brach den aufstrebenden Musiker jedoch keineswegs, und er strebte weiter nach Erfolg, indem er sich an der Modeschule in Graz einschrieb, die er 2011 abschloss.
Interessanterweise schuf Neuwirth für seine Bühnenfigur Conchita Wurst eine eigene Biografie, die sich erheblich von seiner eigenen unterscheidet. Laut dieser erfundenen Geschichte wurde Conchita in den kolumbianischen Bergen geboren und zog später nach Deutschland, wo sie ihre Kindheit verbrachte. Ihren Namen erhielt sie zu Ehren ihrer Großmutter, und ihr Vater heißt Alfred Knack von Wurst. Das Wort „Wurst“ bedeutet im Deutschen Wurst, weshalb Journalisten die Sängerin oft spöttisch als „bärtige Wurst“ bezeichnen.
Laut Thomas gab es immer eine klare Trennung zwischen seiner Bühnenfigur und ihm selbst; sie haben unterschiedliche Leben und Schicksale. Aber diese beiden Persönlichkeiten waren gute Freunde, die gemeinsam für ihre Ideale und Rechte eintraten.
Erstmals trat Neuwirth 2011 als Conchita in der Show „Die große Chance“ vor das Publikum. Seine Teilnahme brachte ihm enorme Popularität, und der Travestiekünstler wurde zu einer bekannten Persönlichkeit im Land. Daraufhin veröffentlichte die Künstlerin die Single „Unbreakable“, die Platz 32 der österreichischen Charts erreichte.
Bald darauf nahm Wurst an mehreren Shows teil, in denen sie in einer Fabrik arbeiten und in den Wüsten Namibias überleben musste.
Rasanter Karriereaufstieg

Um die Aufmerksamkeit der Gesellschaft endgültig auf die provokante Frau zu lenken, entschied sie sich, am „Eurovision Song Contest 2012“ teilzunehmen. Es gelang ihr jedoch nicht, die nationale Vorausscheidung zu gewinnen. 2013 gab der ORF unter Umgehung der Publikumsabstimmung bekannt, dass Wurst beim Wettbewerb antreten würde.
2014 trat Conchita beim „Eurovision Song Contest“ mit der Komposition „Rise Like a Phoenix“ auf. Am 10. Mai fand in Kopenhagen das Finale des Wettbewerbs statt, bei dem die meisten Länder ihr ihre Stimmen gaben. **Somit wurde die außergewöhnliche Persönlichkeit zur Siegerin**. Daraufhin hagelte es zahlreiche negative Äußerungen von politischen Persönlichkeiten, die behaupteten, dieser Sieg propagiere Homosexualität.

Im Sommer 2014 trat die Sängerin bei Pride-Paraden in mehreren Städten auf. Sie wurde zu Modenschauen eingeladen. Darüber hinaus wurde sie zum Gesicht der größten österreichischen Bank, der „Bank Austria“.
2015 nahm die Ikone der Provokation ihr Debütalbum „Conchita“ auf, das in weniger als einer Woche nach Veröffentlichung mit Platin ausgezeichnet wurde. Im selben Zeitraum wurde im Berliner Madame Tussauds eine Wachsfigur von Conchita aufgestellt.
Im Jahr 2018 tauchten auf den Social-Media-Seiten des Stars Fotos auf, auf denen er in Männerkleidung zu sehen war. Damals gestand Neuwirth, dass er derzeit keine Lust habe, Kleider zu tragen und sich zu schminken.
Im Herbst 2018 erschien das zweite Studioalbum des Stars, „From Vienna with Love“. Es wurde in Zusammenarbeit mit den Wiener Symphonikern aufgenommen. Die Sammlung von Coverversionen stieg an die Spitze der österreichischen Album-Charts. 2019 wurde das dritte Studioalbum „Truth Over Magnitude“ veröffentlicht.
Im Jahr 2021 setzte der Künstler seine Karriere fort, indem er Konzerttätigkeiten aufnahm und als Gast und Jurymitglied in verschiedenen Fernsehshows auftrat. Außerdem ging er auf die „WURST: Truth Over Magnitude – Tour 2021“ durch Städte in Deutschland, Österreich und der Tschechischen Republik.
Diesen beispiellosen Erfolg in der Welt des Showgeschäfts konnte Conchita Wurst ihrem starken Charakter und dem Glauben an sich selbst verdanken.