Rudolfina Menzel wurde 1891 in Wien geboren. Von Kindheit an bis ins hohe Alter liebte sie Tiere, besonders Hunde. Die Frau bildete Hunde für die Front aus, führte unzählige Forschungen durch und machte sich weltweit einen Namen. Wie es Rudolfina gelang, in diesem nicht einfachen Unterfangen erfolgreich zu sein, lesen Sie hier auf viennaski.eu.
Rudolfinas Jugend
Rudolfina wurde in eine jüdische Mittelstandsfamilie geboren. Als das Mädchen vier Jahre alt war, verstarb plötzlich ihre Mutter. Bald darauf heiratete der Vater eine andere Frau, die vom ersten Tag an keinen gemeinsamen Draht zu Rudolfina fand.
Das Mädchen wuchs heran und begann ihr Studium an der Universität Wien. Nach Abschluss ihres Studiums promovierte sie in Psychologie. Während ihrer Studienzeit lernte sie ihren zukünftigen Ehemann, Rudolph Menzel, kennen. 1915 heirateten sie und zogen nach Linz. Rudolph und Rudolfina liebten einander, sie teilten gemeinsame Ansichten über das Leben und die Wissenschaft.
Nach dem Umzug konnte die Frau sich ihren lang gehegten Wunsch erfüllen – sie kaufte sich einen gestromten Boxerwelpen, den sie Maugli nannte. Bald begann sie, ihren Schützling auszubilden und auf Ausstellungen zu bringen. Die Frau fand sich schnell und sicher in der Kynologie zurecht, die sich damals noch in den Anfängen befand. Sie führte ein Experiment durch, das 16 Jahre dauerte. Dabei kam Menzel zu dem Schluss, dass die Verhaltensmerkmale eines Tieres genetisch bedingt sind.
Von der Trainerin zur Expertin

Anfang der 1920er Jahre erwarb sich die Frau den Ruf einer führenden Expertin für Hundeausbildung. Zudem begeisterte sie sich für die Erforschung der Sinnesorgane von Hunden. In ihrer Arbeit demonstrierte Rudolfina, dass ein richtig ausgebildeter Schützling mühelos den individuellen Geruch einer bestimmten Person unterscheiden kann.
1922 zog die Familie Menzel in eine zweistöckige Villa außerhalb von Linz. Bald hielt sie bei sich zu Hause 60 Hunde und gründete die erste österreichische Schule für die Ausbildung von Diensthunden.
1928 veröffentlichte die Frau ein Handbuch für Kynologen, das weltweit hohe Anerkennung fand. Es ist bemerkenswert, dass die ersten Hunde der österreichischen Polizei aus Menzels Zwinger stammten.
1938 beabsichtigten die Deutschen, Rudolfina und ihren Mann in ein Militärlager zu schicken, damit sie dort Hunde für sie ausbildeten. Jedoch half ein Freund der Familie Rudolfina und Rudolph bei der Flucht aus Österreich. Die Familie zog nach Palästina, wobei die Frau nur einige wenige Hunde mitnehmen konnte.
Gute Diensthunde für Israel

Die Menzels ließen sich im Norden Israels nieder. Bald gründeten sie ein Zentrum für Diensthundewesen, insbesondere für die Bedürfnisse der Untergrund-Militärorganisation Haganah.
Später wurde auf der Basis dieser Haganah-Einheit die kynologische Einheit „Oketz“ geschaffen. Canaan-Hunde wurden in dieser Zeit von der israelischen Armee sehr geschätzt, da sie einen besonderen Spürsinn für Sprengstoff besaßen. Darüber hinaus gilt diese Rasse als ausgezeichneter, treuer Wächter. Die Besonderheit dieser Hunde liegt darin, dass sie niemals einen verdächtigen Gegenstand berühren und niemanden sich ihm nähern lassen.
Rudolfina gelang es, den Canaan-Hund zu domestizieren, und sie entwickelte in ihrem Zwinger auch ein Programm zur Ausbildung von Blindenführhunden. Im Jahr 1950 änderte Menzel die Ausrichtung ihrer Arbeit und widmete sich der Ausbildung von Blindenführhunden.

In den 1960er Jahren lehrte Rudolfina Tierpsychologie an der Universität Tel Aviv und wurde die erste Professorin in der Geschichte dieser Bildungseinrichtung.
Die Menzels hatten keine Kinder. Sie lebten ihr ganzes Leben in Liebe und Verständnis und verstarben innerhalb einer Woche im Jahr 1973. Zuerst verstarb Rudolph, und gleich darauf folgte ihm Rudolfina. Diese Frau schaffte es, ihre Liebe zu Tieren in eine ernsthafte berufliche Tätigkeit zu verwandeln und leistete damit einen großen Beitrag zur Entwicklung der Kynologie.