Die Miniserie „Das Sacher. In bester Gesellschaft“ ist ein exquisites, zweiteiliges Historiendrama. Die Serie gewährt den Zuschauern einen Blick hinter die Kulissen des legendären Wiener „Hotel Sacher“, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts der politische und gesellschaftliche Epizentrum Europas war. In diesem Artikel beleuchten wir detailliert die Handlung, die Besonderheiten der Produktion und den historischen Kontext der dargestellten Ära. Mehr dazu auf viennaski.eu.

„Das Sacher“: Handlung und Kontext des legendären Dramas
Die Miniserie „Das Sacher. In bester Gesellschaft“ – eine treffende Bezeichnung für das, was sich in diesem Haus abspielte – ist ein elegantes, zweiteiliges Historiendrama, das in Zusammenarbeit zwischen dem österreichischen ORF und dem deutschen ZDF entstand. Die Premiere dieses ambitionierten Fernsehprojekts Ende 2016 fesselte die Zuschauer sofort und entführte sie in eine glanzvolle, aber turbulente Wiener Ära.
Die Handlung des Films setzt um das Jahr 1892 ein und umspannt mehrere Jahrzehnte, bis hin zu den dramatischen Ereignissen, die zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führten. Im Zentrum dieses historischen Strudels steht das legendäre „Hotel Sacher“ – weit mehr als nur ein Hotel, sondern ein Ort, an dem Geschichte geschrieben wurde.
Die charismatische Anna Sacher ist die Hauptfigur und treibende Kraft der Geschichte. Nach dem Tod ihres Mannes, Eduard Sacher, übernimmt diese entschlossene Frau die Leitung des Imperiums und macht es zu einer Zitadelle des Luxus und der Intrigen. Unter ihrer geschickten Führung avanciert das Hotel zu einem weltweiten Zentrum, in dem sich die einflussreichsten Schichten der Gesellschaft mischen.
Parallel zur Geschichte der Hotelbesitzerin entfalten sich die komplexen Erzählstränge zweier einflussreicher Familien, deren Wege in den Hotelmauern unweigerlich kollidieren:
- Der österreichische Adel: Die Familie von Traunstein, welche die alte, konservative und monarchistische Elite verkörpert.
- Die deutschen Verleger: Die Dynastie Aderhold, Repräsentanten des neuen, ambitionierten und progressiven Kapitals.
Die Serie verwebt gekonnt dramatische und geheimnisvolle Elemente zu einem Gesamtbild: Geheimnisse aus der Vergangenheit, verbotene Gefühle, Verrat, der Einfluss gesellschaftlicher Konventionen, der Druck der Monarchie und die nahenden Schatten des Krieges. Das Hotel dient dabei als perfekte Kammerbühne, wo sich hinter dem äußeren Glanz des Luxus wahre menschliche Leidenschaften und Machtkämpfe verbergen.

Wichtige Fakten zur Entstehung der Miniserie „Das Sacher“
Die Realisierung eines so umfassenden Historiendramas wie „Das Sacher. In bester Gesellschaft“ erforderte erhebliche Ressourcen und herausragendes Talent. Das Projekt versammelte Spitzenkräfte aus Österreich und Deutschland.
Für die Regie der Miniserie zeichnete der renommierte Robert Dornhelm verantwortlich, der die Atmosphäre Wiens zur Zeit der Jahrhundertwende meisterhaft einfing. Das Drehbuch, das reale historische Fakten und erfundene Dramen filigran miteinander verknüpft, stammt von Rodica Doehnert. Ihre Vision trug maßgeblich dazu bei, die Geschichte des Hotels in ein fesselndes Epos zu verwandeln.
Die Dreharbeiten waren mit April bis Juli 2016 relativ straff angesetzt. Gedreht wurde an authentischen historischen Schauplätzen in Wien und Niederösterreich. Für größtmögliche Authentizität erhielt das Team Zugang zum echten „Hotel Sacher Vienna“, wo einige Szenen gefilmt wurden. Dennoch wurde ein Großteil der komplexen Interieurs in Studio-Sets rekonstruiert, was eine detailgetreue Nachbildung der luxuriösen Säle, Suiten und Korridore des späten 19. Jahrhunderts ermöglichte.
Budget und Finanzierung
Das Projekt verfügte über ein beachtliches Budget von mehreren Millionen Euro. Die Produktion eines hochwertigen Historiendramas mit opulenten Kostümen, Dekorationen und Statisten erforderte eine ernsthafte finanzielle Unterstützung. Einen bedeutenden Teil der Finanzierung erhielt die Miniserie vom Fernsehfonds Austria, was ihre Wichtigkeit für den österreichischen Kulturraum unterstreicht.

Die Bedeutung der Miniserie und ihre Popularität
Die Miniserie „Das Sacher. In bester Gesellschaft“ wurde nicht nur wegen ihrer luxuriösen Optik und der spannungsgeladenen Handlung populär, sondern auch aufgrund ihres tiefgreifenden kulturellen und historischen Werts.
Das Projekt vereint auf brillante Weise das klassische historische Drama mit einem realen, lebendigen Wiener Wahrzeichen – dem Hotel Sacher. Die Zuschauer bekamen die einzigartige Gelegenheit, „hinter die verschlossenen Türen“ einer Legende zu blicken, deren Wände scheinbar alle Intrigen des Kaiserreichs in sich aufgesogen haben.
Darüber hinaus ist die Serie eine wertvolle Quelle, um die komplexe Ära Österreich-Ungarns in ihrer Niedergangsphase zu verstehen. Sie zeigt die gesellschaftlichen Veränderungen auf, die sich anbahnten, und den Einfluss historischer Ereignisse auf das Privatleben. Besonders beleuchtet wird die Stellung von Frauen in der Geschäftswelt am Beispiel von Anna Sacher – einer resoluten Hotelbesitzerin, die ein Imperium in einer von Männern dominierten Welt leitete.
Für Österreich und Deutschland avancierte diese Miniserie zu einem bedeutenden Imageprojekt. Der aufwendige Dreh und die Besetzung mit prominenten Schauspielern trugen zur internationalen Promotion der österreichischen Geschichte und Kultur bei.

Hier sind einige interessante Fakten, die den Produktionsumfang verdeutlichen:
- Opulenz des Bildes: Um die Atmosphäre von Gesellschaftsbällen und die Anspannung der Epoche einzufangen, waren über 50 Schauspieler und rund 950 Statisten am Projekt beteiligt. Dies zeugt von einem ernsthaften Ansatz zur Reproduktion historischer Details.
- Begleitender Dokumentarfilm: Unmittelbar nach der vielbeachteten Premiere strahlte der österreichische Sender ORF einen begleitenden Dokumentarfilm mit dem Titel „Die Königin von Wien – Anna Sacher und ihr Hotel“ aus. Dies ermöglichte es den Zuschauern, tiefer in das reale Leben von Anna Sacher einzutauchen und die künstlerische Fiktion von der historischen Wahrheit zu trennen.
Die Kritikermeinung zu „Das Sacher“
Die Miniserie „Das Sacher. In bester Gesellschaft“ erhielt von den Kritikern hohe Anerkennung; sie wurde als „schönes Sittenbild“ bezeichnet und für ihre exquisite und elegante Inszenierung gelobt.
Der Kritiker Rainer Tittelbach betonte, dass die Drehbuchautorin Rodica Doehnert einer realistischen Einschätzung der Epoche den Vorzug vor einem typischen, emotional aufgeladenen Heldendrama gab. Die Handlung umfasst eine Zeit, in der das Aufeinandertreffen reformatorischer und reaktionärer Kräfte die Bedingungen für die „große Liebe“ äußerst ungünstig machte. Dank der multiperspektivischen Erzählweise erhält der Zuschauer ein tiefes Verständnis für die politischen, historischen und zwischenmenschlichen Besonderheiten dieser Jahre, ohne übermäßige erklärende Dialoge. Die Kritiker hoben besonders die geschmackvolle Ausstattung und die elegante Regie hervor und betonten, dass die Drehbuchautoren Elemente des Thrillers und der Kriminalgeschichte gekonnt in das Sozialdrama einflochten.

Das Hotel Sacher dient als zentrale Metapher, dargestellt als das „Haus Österreich“ zur Zeit der Doppelmonarchie. Wie Rainer Tittelbach anmerkt, dient sein mythischer Status als Sinnbild für den Niedergang der sozialen und politischen Kultur. Der Kritiker hebt besonders die Rolle des Portiers Mayr hervor, der mit seinen knappen, aber geistreichen Kommentaren „mit Ton und Stil“ die Stimmung der Zeit zusammenfasst und als narrativer Anker dient, wenn die Geschichte einen Zeitsprung macht.
Einer der größten dramaturgischen Überraschungen der Miniserie ist die Ambivalenz vieler Hauptfiguren. Ihre Charaktere und Handlungen sind keineswegs eindeutig, und die Protagonisten erobern das Herz des Zuschauers nicht sofort. Bemerkenswert ist, dass die Serie (mit Ausnahme des ungarischen Diplomaten) auf karikierte Nebenfiguren verzichtet, was die Realitätsnähe der Gesellschaftsdarstellung erhöht. Trotz des Ruhms und des Niedergangs „Alt-Österreichs“ bewahrt die Wiener Lebensart ihre Einzigartigkeit, und traditionelle Höflichkeitsfloskeln wie „Küss’ die Hand!“ bleiben unerschütterlich.
Quellen: www.tittelbach.tv, der.orf.at, www.wunschliste.de, www.tagesspiegel.de