Carl Michael Ziehrer war in Wien weithin bekannt und geachtet. Er war der vierte und letzte k. u. k. Hofballmusikdirektor. Dieser Mann liebte die Musik von ganzem Herzen, und unter seiner Leitung spielten Orchester einzigartige Meisterwerke. Mehr über das Leben und Schaffen von Ziehrer lesen Sie hier viennaski.eu.
Kindheit und Jugend

Geboren wurde Michael am 2. Mai 1843 in Wien als Sohn eines Hutmachers. Von früher Kindheit an erlernte der Junge das Handwerk seines Vaters, zeigte aber bald Interesse an der Musik. Als seine Eltern dies bemerkten, beschlossen sie, ihren Sohn zum Klavierunterricht anzumelden. Bald darauf trat der Junge ins Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien ein. Als Michael 19 Jahre alt wurde, begann er, seine ersten kleinen Kompositionen zu schreiben.
Im Jahr 1863 debütierte er am Dirigentenpult mit seinem ersten eigenen Orchester im Dianabad-Saal. Ein solch rasanter Karriereaufstieg ist mit mehreren Namen verbunden, allen voran mit Carl Haslinger, der mit Ziehrer einen Vertrag unterzeichnete und ihm gute Musiklehrer vermittelte.
Im Jahr 1866 schuf Ziehrer seine erste Operette „Mahomets Paradies“. Ab 1870 tourte er mit seinem Orchester durch Europa und eroberte die Herzen der Menschen.
Professionelle Musikkarriere

Bald erfüllten Ziehrers Walzer, Märsche und Polkas die größten Wiener Etablissements jener Zeit. Er stellte eine sehr große Konkurrenz für die Familie Strauß dar, die aus diesem Grund seine Werke nur selten in ihren Konzerten spielte. Obwohl bei Ziehrer selbst die Werke der Strauß-Familie ein fester Bestandteil seiner Programme waren.
Ziehrer hatte pragmatische Gründe, neue Werke zu komponieren. Aufgrund der fast täglichen Konzerte mussten die Kapellmeister das Publikum ständig mit Neuem erfreuen. Zusätzlich mussten auch Kompositionen für die kaiserliche Familie geschrieben werden.
Im Rahmen seiner über 50-jährigen musikalischen Tätigkeit umfasst Ziehrers Schaffen insgesamt 556 Opuszahlen sowie 200 undatierte Stücke und 23 Operetten, von denen die bekanntesten sind: „Die Landstreicher“, „Fremdenführer“ und „Liebeswalzer“.
Ziehrers Operettenerfolge sind eng mit der Entwicklung des Wiener Musikverlags Doblinger verbunden, der seinen Sitz in der Dorotheergasse hatte. Es ist bemerkenswert, dass der Verlag dank der Werke großer Komponisten großen finanziellen Erfolg erzielte und zu einem der wichtigsten Wiener Operettenverleger wurde.
Bald darauf entschied sich Ziehrer trotz großer Erfolge, die Wiener Bühne zu verlassen und Militärkapellmeister zu werden. Die Gründe für diesen Schritt sind nicht bekannt, doch bei der Analyse historischer Quellen lässt sich vermuten, dass das Genie einfach dem Druck der Konkurrenz entgehen wollte.
Seine Ernennung zum Kapellmeister der Musikkapelle des Infanterieregiments „Hoch- und Deutschmeister Nr. 4“ war ein großer Moment für die Militärmusik und für Ziehrer selbst. Seine Tätigkeit als Militärkapellmeister war so vorbildlich, dass nach seinem Beispiel in England, Spanien und Amerika Militärkapellen gegründet wurden.
Im Jahr 1907 wurde Michael Ziehrer zum k. u. k. Hofballmusikdirektor ernannt.
Der vollständige Bankrott
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Fall der Monarchie begannen sich Ziehrers Karriere und Gesundheit zu verschlechtern. Den Rest seines Lebens verbrachte der Musiker in Armut, da er all seine Ersparnisse in Kriegsanleihen investiert hatte. Die Menschen begannen, den großen Musiker zu vergessen. Nur anlässlich seines 75. Geburtstages (im Jahr 1918) verlieh ihm Kaiser Karl I. das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens.
Ziehrers letzte Komposition war „Mein Herz lass ich in Wien zurück“, die erstmals bei der Premiere des Films „Carl Michael Ziehrer, der letzte Walzerkönig“ erklang. Dies geschah am 24. Oktober 1922, drei Wochen vor seinem Tod.
Am 14. November 1922 verstarb Carl Michael Ziehrer. Er wurde in einem Ehrengrab der Stadt Wien auf dem Zentralfriedhof beigesetzt, unweit der letzten Ruhestätten von Lanner und Strauß.